Interview mit Drubpön Chödon
  

DC01Geboren wurde die Retreat-Meisterin (Drubpön) Konchog Chödön in Kham, einer Region im Osten Tibets. Von Kindheit an hatte sie den Wunsch Nonne zu werden. Nachdem sie im Alter von 24 Jahren in das Drikung Kagyu Nonnenkloster Samtenling eintrat, begeb sie sich bald darauf in ein Drei-Jahres-Retreat in Almora unter der Leitung von Drubpön Konchok Yeshi. Anschließend absolvierte sie ein einjähriges Retreat unter der Leitung von S.H. Drikung Kyabgön Chetsang, das sogenannte Naropa Nugu Chödrup Retreat. Unter der Leitung von Drubpön Thondrup Palden nahm sie abermals an einem Drei-Jahres-Retreat teil, diesmal am heiligen Berg Lapchi in Nepal. Das dritte Drei-Jahres-Retreat zum Fünffachen Pfad der Mahamudra und den Sechs Yogas von Naropa vollendete sie unter der Leitung von Drubpön Thondrup Palden in Almora.

Drubpön Chödön erhielt in Samtenling eine umfassende Dharma-Ausbildung in der Drikung-Kagyu-Tradition. Seit Juni 2013 ist sie Drubpön im Milarepa Retreat Zentrum.

  

Drubpön Chödön erzählt ein wenig über sich und Ihren Werdegang

Drubpön Chödön, würden Sie uns etwas über Ihre Kindheit erzählen, und wie der Wunsch zustande kam, eine Nonne zu werden? 


DC: Ich bin auf dem Lande in Ost-Tibet aufgewachsen. Meine Eltern waren Bauern und Nomaden. Meine Familie ist groß, ich habe fünf Brüder, vier ältere und einen jüngeren. Als ich vier Jahre alt war, habe ich meinen Vater verloren. Schon als Kind hatte ich den Wunsch, Nonne zu werden. Das hatte keinen besonderen Anlass, wahrscheinlich beruht das auf karmischen Eindrücken aus früheren Leben. In unserer Umgebung gab es aber nur Klöster für Mönche, deshalb hatte ich eigentlich den Wunsch, Mönch zu werden. Aber ich war ja ein Mädchen und Nonnenklöster gab es nicht. Ich hatte keine Wahl. Also habe ich Yaks und andere Tiere gehütet.

Wie kamen Sie nach Indien in das Nonnenkloster Samtenling in Dehradun? 


DC: Die nahm die Ordinations-Gelübde von Penor Rinpoche in Kathmandu. Von dort aus kam ich über Bodhgaya nach Tso Pema in Nordindien. Dort und etwas später auch in Dharamsala traf ich S.H. den Drikung Kyabgön Chetsang. Ich war von ihm tief berührt, also bin ich in sein Kloster nach Dehradun gegangen, zu dem das Nonnenkloster Samtenling gehört.

Wie verbrachten Sie Ihre Anfangszeit in Samteling, und wann war Ihnen klar, dass Sie am traditionellen Drei-Jahres-Retreat teilnehmen wollten? 


DC: In Samtenling war es so, wie ich mir das Leben in einem Kloster vorstellte. Zunächst erhielt ich Unterweisungen zu Shantidevas Bodhicaryavatara („Eintritt in die Lebensweise eines Bodhisattvas“). Da erfuhr ich, dass S.H. der Drikung Kyabgön Chetsang, Ordinierte in das erste Drei-Jahres-Retreat nach Almora schickt. Ich hatte den Wunsch daran teilzunehmen, aber dachte nicht daran, dass er mich auswählen würde. Als ich eine Audienz bei ihm hatte, sagte er zu mir, dass ich bestimmt Interesse an dem Retreat hätte. Ich bestätigte das und freute mich sehr.

Da wir hier im Milarepa Retreat Zentrum das traditionelle Drei-Jahres-Retreat anbieten, fänden wir sehr interessant, wenn Sie uns ein wenig darüber erzählen könnten, wie Ihr „Retreat-Alltag“ beim ersten Drei-Jahres-Retreat in Almora ablief. 


DC: Unser Tag begann um drei Uhr morgens, über den Tag verteilt hatten wir vier Sitzungen und gingen abends um neun Uhr zu Bett. Wir hatten einen Koch, so mussten wir uns nicht um unser Essen kümmern, das wurde uns vor die Tür gestellt. Ich mochte es, in einem kleinen Meditationshaus zu leben, ich bin ja selbst klein. Ich fühlte mich auch nicht allein, es waren ja viele Bekannte um mich herum. Und es war gut, dass wir getrennt wohnten, sonst hätte es zu viele Ablenkungen gegeben.

Sie sind sogar drei Mal in das Drei-Jahres-Retreat gegangen. Wie entsteht ein solcher Wunsch? Und wie hat sich die Qualität der Meditation während der drauffolgenden Retreats, verändert? 


DC: Wer weiß, ob er nicht morgen stirbt? So viel Dharma man praktiziert hat, so viel Gewinn zieht man daraus, da gibt es keine Nachteile. Wer kann mir sagen, ob ich später wieder eine kostbare Geburt als Mensch erlange? 
Es ist sehr wenig Zeit, die ich im Retreat verbracht habe. Andere verbringen ihr gesamtes Leben im Retreat. Man kann nicht zu lange im Retreat sein, nur für zu kurze Zeit. Egal für wie lange – ich mag es im Retreat zu sein, aber man kann es ja nicht ununterbrochen sein. Man muss hierhin und dorthin gehen. Wenn wir uns zum Beispiel Milarepas Leben anschauen: Er hat die gesamte Zeit in den Bergen verbracht und meditiert. Wenn man sein Leben so verbringen kann, ist das unglaublich gut, oder nicht? Es ist nicht wichtig, die Jahre zu zählen, die man im Retreat verbracht hat, entscheidend ist, ob man Erkenntnisse und Erfahrungen gewonnen hat.
Zunächst weiß man nicht viel über Meditation und dann gewöhnt man sich langsam daran. In jeden Moment sollte man im Samadhi verweilen, aber es kommen viele Gedanken auf. Es geht nicht darum zu meditieren, sondern darum Gewohnheit zu entwickeln. Indem man Gewohnheit entwickelt, meditiert man. Man schaut sich die Natur des Geistes und das begriffliche Denken an. Die Gedanken sind nicht schlecht, sie sind nicht unsere Feinde, die wir vernichten. Man schaut auf ihre Natur.

Seit Mai dieses Jahres sind Sie Meditationsmeisterin (Drubpön) im Milarepa Retreat Zentrum in Schneverdingen. Durch ihre langjährige Meditationserfahrung werden Sie bestimmt westlichen Schülern diverse Meditationstechniken vorstellen können, die den Interessenten den Zugang zur Meditation erleichtern können. Wie sehen Sie das? 


DC: Ich habe nichts Besonderes, was ich erklären kann. Ich kann nur das weitergeben, was ich über Mediation gelernt habe. Ich denke, dass ich meine Erfahrungen weitergeben kann. Wir werden sehen.

Sie sind ja noch nicht lange hier in Deutschland. Wie ist die Umstellung für Sie? 


DC: Das ist schwer. Bisher habe ich noch nicht so viele Erfahrungen sammeln können. Dieses Land ist sehr sauber, die Geschäfte und Restaurants sind erstaunlich sauber und es gibt viele Menschen unterschiedlichster Nationalitäten zu sehen, das ist anders als in Indien. Das Wetter ist so ähnlich wie in Lapchi (Anm.: Ein heiliger Berg im Grenzgebiet zwischen Tibet und Nepal).
 Ich verstehe die deutsche Sprache nicht, das ist etwas schwierig, wenn ich die Sprache verstehen würde, wäre es wahrscheinlich gut.

Drubpön Chödön, Sie werden im Herbst diesen Jahres im Milarepa Retreat Zentrum eine offene Studiengruppe anbieten. Worin besteht der Nutzen dieses Studiums?

DC: Wenn wir den Text von Phagmodrupa studieren, lernen wir beispielsweise etwas über den kostbaren menschlichen Körper, über Karma, das Gesetz von Ursache und Resultat, über die Nachteile des Daseinskreislaufs und über das Reinigen von negativen Handlungen. Und wir lernen, dass wir Leid erfahren, wenn wir Unheilsames ausüben, und Glück, wenn wir Heilsames tun. So denke ich, dass es sehr wichtig ist, diesen Text zu studieren.

Vielen Dank, Drubpön Chodoń, und wir alle wünschen Ihnen einen schönen Aufenthalt im Milarepa Retreat Zentrum. 

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